Medikamente in der Schwangerschaft

Medikamente Schwangerschaft

Medikamente in der Schwangerschaft - Wenn nicht nötig, sollte man darauf verzichten © iStockphoto.com / Dmitry Naumov

Früher glaubte man, dass das ungeborene Kind im Mutterleib von dem Mutterkuchen vor giftigen Substanzen schützt, die von der Mutter eingenommen werden. Heute weiß man, dass das nicht stimmt, im Gegenteil: Fast allen chemischen Substanzen, die in den Körper der Mutter gelangen, ist auch der Körper des Kindes ausgesetzt. Das gilt für Alkohol und Nikotin ebenso wie für Medikamente. Grundsätzlich gilt: Die Arzneimittel, die Schwangere einnehmen, gelangen auch in den Kreislauf des Kindes und behandeln diesen sozusagen mit! Ein erschreckendes Beispiel für diese Tatsache ist die Katastrophe, die durch das Mittel Contergan in den 60er Jahren ausgelöst wurde, durch das tausende Kinder mit Fehlbildungen zur Welt kamen.

Kritische Entwicklungsphase des Embryos

Das ungeborene Kind durchläuft verschiedene Entwicklungsphasen, in denen es unterschiedlich empfindlich gegenüber medikamentösen Einflüssen ist. Das Missbildungsrisiko durch Medikamente ist in der 3. und 4. Schwangerschaftswoche (SSW) vermutlich sehr gering. Wissenschaftler gehen hierbei von dem Alles-oder-Nichts-Prinzip aus, d.h. entweder übersteht der Embryo dies ohne Schäden oder es kommt zu einem Abort. Besonders sensibel ist dagegen der Zeitraum zwischen der 6. und 12. SSW, denn hier entwickeln sich die wichtigsten Organe des Kindes. Ist das Kind dann schädlichen Medikamenten ausgesetzt, kann es zu Fehlbildungen kommen. Die Empfindlichkeit des ungeborenen Kindes gegenüber schädlichen Substanzen ist im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel dann wieder weniger stark ausgeprägt. Allerdings können Medikamente außer einer Fehlbildung des Kindes jederzeit auch andere negative Auswirkungen haben. Dazu gehört z.B. das Auslösen vorzeitiger Wehen, eine geringere Durchblutung der Plazenta oder die Hemmung des kindlichen Wachstums.

Nutzen und Risiko von Medikamenten

Erschreckend ist, dass sich trotz des Risikos, das Schwangere mit einer Medikamenteneinnahme für ihr Baby eingehen, der Arzneimittelkonsum von Schwangeren kaum von dem nichtschwangerer Frauen unterscheidet. Dabei raten Frauenärzte dringend dazu, auf Arzneimittel, die nicht unbedingt notwendig sind (z.B. Medikamente gegen leichte Erkältungen) zu verzichten und auch bei Schmerzmitteln sehr vorsichtig zu sein. Grundsätzlich sollte bei jeder Arzneimittelgabe die verabreichte Dosis so gering wie möglich sein. Immer wenn es möglich ist, sollte auf alternative Behandlungsmethoden ohne Medikamente zurückgegriffen werden, wie z.B. die Homöopathie. Allerdings sind auch nicht alle rein pflanzlichen Produkte für Schwangere geeignet, deshalb sollte jeder Arzt oder Homöopath auf eine bestehende Schwangerschaft hingewiesen werden. Dies gilt für alle Fachärzte und Anwender alternativer Heilmethoden, egal wie abwegig ein Zusammenhang mit der Schwangerschaft erscheinen mag.

Wann machen Medikamente in der Schwangerschaft Sinn?

Es gibt jedoch Situationen, in denen es auch für Schwangere ratsam ist, sich medikamentös behandeln zu lassen. Das ist z.B. bei Infektionskrankheiten oder Stoffwechselerkrankungen der Fall. Auch wenn die Mutter an einer schweren und kraftraubenden Krankheit wie z.B. Diabetes oder HIV leidet, wird die medikamentöse Behandlung (mit den richtigen Medikamenten) weitergeführt, um zu verhindern, dass die Krankheit selbst die Entwicklung des Kindes negativ beeinflusst. Frauen, die wegen einer chronischen Erkrankung regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten auf jeden Fall schon vor Beginn der Schwangerschaft mit ihrem Arzt sprechen, um rechtzeitig die richtige Strategie für die Zeit der Schwangerschaft abzusprechen. So kann eine gegebenenfalls erforderliche Umstellung auf ein anderes Präparat frühzeitig erfolgen.

Grundsätzlich ist es immer wichtig, zwischen dem Nutzen und dem Risiko von Medikamenten in der Schwangerschaft gut abzuwägen. Auch wenn sich Medikamente auf das Kind auswirken können, sollte man nicht vergessen, dass eine kranke und geschwächte Mutter auch nicht die ideale Voraussetzung für die positive Entwicklung des Kindes ist. Sie sollte deshalb dafür sorgen, dass sie so schnell wie möglich wieder gesund wird und sich rundum wohl fühlt.

Unbedenkliche Medikamente

Schwangeren werden grundsätzlich nur Arzneimittel verordnet, deren Wirkungen und Nebenwirkungen gut erforscht und schon lange bekannt sind. Als Faustregel gilt hier eine Zulassungszeit von mindestens 5 Jahren. Bei neueren Medikamenten muss man davon ausgehen, dass sie ein zusätzliches Sicherheitsrisiko bergen. Als unbedenkliches Schmerzmittel gilt bislang nur Paracetamol. An Antibiotika gibt es eine größere Auswahl, die auch von Schwangeren eingenommen werden können. Auch bestimmte Blutdrucksenker, Kortison und viele Standard-Asthma-Medikamente sowie Schleimöser gelten als unbedenklich. Dennoch sollten Schwangere nicht auf eigene Faust Medikamente einnehmen, sondern immer Rücksprache mit ihrem Arzt halten. Das gilt auch für nicht rezeptfreie Medikamente!

Für das Kind gefährliche Medikamente

Es gibt Medikamente, von denen man weiß, dass sie das Kind schädigen. Dazu gehören Benzodiazepine, bestimmte Blutdrucksenker (vom Typ der ACE-Hemmer), verschiedene entzündungshemmende Medikamente, Blutverdünner und Epilepsie-Medikamente. Eine erste Orientierung über die Risiken von Arzneimitteln für Schwangere bietet eine Datenbank des Bundesgesundheitsministerium, die online unter www.arzneimittel-in-der-schwangerschaft.de eingesehen werden kann. Hier stehen Informationen zu über 400 Medikamenten zur Verfügung. Diese Datenbank ersetzt jedoch keinesfalls die Rücksprache mit dem Arzt, betont auch das Ministerium.

Über den Autor von Medikamente in der Schwangerschaft

Dr. Melanie Hahn

ist Diplom-Psychologin und seit ihres Studiums immer wieder in der Kinder- und Jugendarbeit tätig. Außerdem schreibt und liest sie gerne und unternimmt in ihrer Freizeit gerne Ausflüge mit ihrem Mann und ihrem Hund.

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Medikamente in der Schwangerschaft wurde geschrieben am 20.03.2010 und unter den Kategorien Schwangerschaftsverlauf veröffentlicht.

2 Kommentare »

  1. Hallo liebe Dr. Hahn,bin schon wieder sehr traurig weil ich in zirka 4-5 ssw glaube ich 5 mal parkemed genommen habe.Wusste nicht dass ich schwanger bin.Auch ein par dulcolax :(( Wenn ich darüber denke mache ich mir tirische sorge und kann nicht meine schwangerschaft genißen :((

  2. Bin jetzt 26ssw

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